top of page
C39955D2-B45F-4CF8-89E0-05AA9709DB6D_1_105_c.jpeg

Ich bin Esperado – Espi

 

Ich bin kein Pferd, das man „macht“.

Ich bin eines, das zuhört. Und eines, das fühlt.

 

Als ich zu ihr kam, war ich sensibel, aufmerksam, schnell im Kopf. Ich wollte verstehen, wollte richtig sein, wollte mitgehen. Bewegung fiel mir leicht – Ruhe weniger. Nicht, weil ich nervös war, sondern weil ich viel wahrnehme. Sehr viel.

 

Sie hat das früh gespürt.

 

Am Anfang hat sie, wie viele Menschen, versucht, alles richtig zu machen. Sie hat auf mich geachtet, mich geschützt, sich Gedanken gemacht. Manchmal ein bisschen zu viele. Ich habe ihr das gezeigt – nicht mit Widerstand, sondern mit Spannung. Nicht mit Nein, sondern mit Vorwärts.

 

Und dann ist etwas Entscheidendes passiert:

Sie hat begonnen, mir zuzuhören. Wirklich zuzuhören.

 

Nicht nur auf das, was ich tue, sondern auf das, was ich bin.

Auf meine Atmung. Meine Haltung. Meine kleinen Signale.

Und sie hat gemerkt, dass ich keine stärkere Hand brauche – sondern einen ruhigeren Menschen.

 

Viele erwarten von einem spanischen Pferd Ruhe, Sammlung, Schönheit im Kleinen.

Was nur wenige wissen: Wir haben gemeinsam auch eine Zeit im Springsport verbracht. Eine eher untypische Richtung für einen PRE – und doch eine, die ich mit Freude gegangen bin.

 

Ich habe nie einen Sprung verweigert.

Nicht, weil ich mutig im klassischen Sinn war, sondern weil ich Vertrauen hatte. Ich bin gesprungen, weil sie da war. Klar. Still. Verlässlich. Und weil sie mich nie gedrängt hat, sondern mich vorbereitet hat.

 

Auch dort habe ich ihr gezeigt, dass Leistungsbereitschaft nicht aus Druck entsteht, sondern aus Sicherheit. Dass ein Pferd viel kann, wenn es sich getragen fühlt – mental wie körperlich.

 

Mit der Zeit wurde unser Weg ruhiger. Tiefer. Weniger nach außen, mehr nach innen.

Sie wurde leiser. Klarer. Präsenter.

Nicht weniger bestimmt – sondern innerlich sortierter.

 

Heute bin ich 21 Jahre alt.

Und unsere Arbeit hat sich mit mir verändert.

 

Nicht, weil ich weniger kann – sondern weil sie gelernt hat, mein Alter zu lesen, zu respektieren und einzubeziehen. Wir arbeiten angepasst, bewusst und mit viel Gefühl für das, was mir guttut. Qualität ist wichtiger geworden als Dauer, Verbindung wichtiger als Inhalt.

 

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – haben wir nach unserem Zusammenfinden alles machen können, was uns wichtig war.

Ich konnte auf jeden Ausritt mit. Ich war draußen sicher, motiviert und gerne unterwegs.

Wir sind gemeinsam an den See gefahren, ganz allein mit dem Hänger, und ich bin mit ihr schwimmen gegangen. Frei. Vertrauensvoll. Ohne Begleitung, ohne Druck.

 

Auch das ist Teil unserer Geschichte.

 

Ich habe angefangen, mich an ihr zu orientieren. Nicht, weil ich musste. Sondern weil ich konnte.

 

Wir haben gelernt, dass Arbeit nicht dort beginnt, wo Bewegung startet, sondern dort, wo Verbindung entsteht. Dass Pausen genauso wichtig sind wie Schritte. Dass man nicht immer weit gehen muss, um gemeinsam zu gehen.

 

Heute arbeite ich oft frei mit ihr. Ohne Longe. Ohne Zwang.

Ich bleibe, weil ich mich sicher fühle.

Ich folge, weil ich Orientierung habe.

Ich halte inne, weil sie es auch tut.

 

Ich bin ihr Spiegel geworden – und sie meiner.

 

Alles, was sie heute mit anderen Pferden und Menschen macht, ist durch mich gewachsen. Nicht, weil ich perfekt bin, sondern weil ich ehrlich bin. Ich habe ihr gezeigt, wann sie zu viel hält. Und wann sie loslassen darf. Wann Klarheit fehlt – und wann Ruhe reicht.

 

Ich bin kein Vorzeigeprojekt.

Ich bin ein gemeinsamer Weg.

 

Und vielleicht ist genau das der Grund, warum sie heute so arbeitet, wie sie arbeitet: ruhig, beziehungsorientiert, ohne Druck. Sie weiß, wie es sich anfühlt, ein sensibles Pferd zu sein. Denn sie hat eines an ihrer Seite.

 

Mich.

bottom of page